Presse

 

Weilimdorf (tom). In der Maria-Montessori-Grundschule Hausen wurde ein Schüler kürzlich sozusagen außer der Reihe eingeschult. Die Schulgemeinschaft begrüßte Tomos im Rahmen einer kleinen Begrüßungsfeier ganz herzlich mit dem Schullied.

„Bei uns wird seit Anfang an das Projekt Schulanfang auf neuen Wegen umgesetzt“, erzählt die Schulleiterin der Maria-Montessori-Grundschule Hausen, Angelika Müller-Zastrau. Das Projekt wurde vom Kultusministerium Baden-Württemberg 1997 ins Leben gerufen, dem Schuljahr, in dem die Grundschule in Hausen erstmals ihre Türen öffnete. „Die Schulleiter haben beim Einschulungstermin viel Freiheit“, erklärt Müller-Zastrau. Im Grunde könne ein Kind zu jeder Zeit während eines Schuljahres eingeschult werden. In diesem Jahr hat die Familie von Tomos diese Möglichkeit in Anspruch genommen

Unterjährige Einschulung

Die unterjährige Einschulung sei nicht das Grundprinzip, erklärt Müller-Zastrau. In den meisten Schulen gibt es tatsächlich eine große Einschulungsfeier nach den Sommerferien, in deren Rahmen alle Erstklässler auf einmal begrüßt werden. Kindergerechter sei, Kinder ganz individuell einzuschulen, so Müller-Zastrau. Es gebe sogar Länder, die ganz individuell einschulen. Für die Maria-Montessori-Grundschule in Hausen sei die Einschulung während des Schuljahres kein Problem. „Mit unserer offenen Unterrichtsform können wir die Kinder bes­tens integrieren“, so Müller-Zastrau. Mit der Freiarbeit gehe das mühelos.

Die Möglichkeit, dass Kinder auch während des Schuljahres eingeschult werden können, sei bei den Eltern nicht sehr bekannt, weiß die Schulleiterin. In Anspruch genommen werde die Möglichkeit für Kinder, die noch etwas mehr Zeit zum Spielen brauchen. Es gebe aber auch Hochbegabte, die früher eingeschult werden.

„Wir arbeiten im Bildungshaus eng mit dem Kindergarten zusammen“, so Müller-Zastrau weiter. So würden die Lehrer die Kinder früh kennenlernen und könnten sie dadurch besser einschätzen. Und auch die Kinder würden die Schule dank dem Bildungshaus schon früh kennenlernen. Dadurch gelinge der Übergang vom Kindergarten in die Schule problemlos.

Die Eltern von Tomos waren bei der Einschulung dabei. „Durch die enge Kooperation der Schule mit dem Kindergarten habe Tomos die Schule schon gekannt und sich gleich wohlgefühlt, so Vater Christian Bruns. Zudem gehe seine Schwester ebenfalls hier in die Schule. „Wir haben wegen der unterjährigen Einschulung nachgefragt”, erklärt Christian Bruns. „Die Erzieher haben das befürwortet und wir sind froh, dass es diese Möglichkeit gibt.

In und um Weilimdorf vom 22.03.2019, Text und Foto: Tommasi

Und hier der Artikel zum Herunterladen

Hausen Ein Gedächtnistrainer hat mit den Mädchen und Buben der Maria-Montessori-Grundschule geübt.

Von Petra Mostbacher-Dix

Zehn Gegenstände in sechs Minuten merken? Manche der Dritt- und Viertklässler der Maria-Montessori-Grundschule in Hausen staunen, was ihnen Gregor Staub da erzählt. Der Gedächtnistrainer und „Lernphilosoph“ ist zu Gast mit seiner Mega Memory-Methode – und er schafft es wirklich, in kurzer Zeit auch die Kinder, die zunächst unruhig waren, für die „Magie des Lernens“ zu begeistern. Das beginnt schon mit seiner ersten Übung.

Staub gibt vor, seine Frau hätte bei ihm telefonisch eine Einkaufsliste in Auftrag gegeben. Nun gilt es, auf die Schnelle zehn Lebensmittel in den grauen Zellen einzuspeichern. Die Kinder helfen mit. „Sechs Eier? Die packe ich mir in die Schuhe, das macht dann so“, der Schweizer gibt matschige Geräusche von sich, während die Mädchen und Buben lachen. Den Salat lässt er auf den Knien wachsen, die Tomaten kommen in die Hosentasche „grtsch“ – und der Zucker in den Bauchnabel, der dort kratzt. Mit dem Mehl pudert er sich das Hemd, die Karotte hängt an der Krawatte, der Pfeffer bitzelt auf der Zunge und die Kartoffeln wachsen im Acker des Genicks. Und plötzlich schweben lauter Bilder in der Luft inklusive Geräusche, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

Keine zwei Minuten dauert es, bis die Kinder begeistert die Einkäufe wiederholen – ohne sie im üblichen Sinne auswendig gelernt zu haben. „Es sind nicht nur die Bilder“, erklärt Gregor Staub. „Es geht auch um die Logik, das Verknüpfen mit dem Ort, wo ich etwas hingetan habe.“ Dinge, die man nicht logisch ablege und verstehe, die seien kaum im Kopf zu behalten. „Daher ist das mit der Grammatik manchmal schwer“, so Staub und erklärt, wie sich die Meister der Technik Hunderte von Dingen merken können. „Sie füllen den Raum damit.“

Dass dies funktioniert, zeigt sich denn auch bei zehn Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. So mancher der Grundschüler mag deren Namen davor nie gehört haben, und doch können sie diese plötzlich chronologisch aufzählen. Bis auf den jetzigen und seinen Vorgänger! „Obama ist bekannt – und nun ist einer im Amt, der es nicht verdient hat“, sagt Staub und schmunzelt, bevor er auf das Flipchart haut und sagt es sei aus Eisen. Ach ja, Eisenhower. Kennedy ist nebenan, nämlich der Stift auf dem Board daneben, der mit dem bayerischen „Kenn i di?“ verknüpft wird. Johnson wiederum steckt im Bild von Johnny Depp, der als Captain Jack Sparrow in der Karibik auf der Brücke seines Schiffs steht – samt Sohn, John-Sohn eben. Für Nixon schwimmen lauter Nixen auf dem Fenster – und plötzlich sind die Punkte in einem Klebebild fort, klar, Präsident Ford. Für Carter steht wiederum ein Kater Pate, der sich eingerollt im Spiegel betrachtet. Und bei Reagan regnet es vom Regal.

Das Mega-Memory schlägt so ein, dass die Schüler die fünf Chancen gar nicht brauchen, die Staub ihnen gibt, um die jeweiligen Aufgaben zu üben. Um zu wiederholen, bittet er die Kinder, sich gegenseitig die stets in Geschichten verpackten Dinge zu erzählen, ob das nun die Bundesländer sind oder wie man Rhythmik schreibt. „Ich freue mich über jeden Fehler, weil ich ihn verbessern kann, und wenn ich es richtig habe, umso besser. Ich freue mich also doppelt beim Lernen“, muntert er die Acht- bis Zehnjährigen auf.

Das gilt auch für Mathe. Methoden und andere Tipps zur Merkfähigkeit lernen am Nachmittag die Lehrer von ihm, am Abend sind die Eltern dran. Die zahlen dann allerdings Eintritt, das Seminar will ja finanziert sein. „Die Schule bekommt es gratis“, so Staub, der als Geschenk eine DVD mit seinen Übungen dabei hat. „Ich will Lehrkräfte so firm machen, dass sie selbstständig mit den Kindern weitermachen können.“ Er gehe zum größten Teil in Schulen, so der Gedächtnistrainer, der in Thailand lebt und schon allerlei Manager, Stars, aber auch Studierende und Angestellte in Sachen Gedächtnis fit gemacht hat.

Nach Hausen holte ihn der Förderkreis der Maria-Montessori-Grundschule. Rektorin Angelika Müller-Zastrau ist begeistert: „Ich kenne Gregor Staub schon lange, von einem Vortrag in einer Bank. Wir sind eine Brennpunktschule, was er mit den Kindern da geschafft hat, ist unglaublich.“ Auch Lehrerin Lisa Palz bestätigt: „Klasse! So habe ich unsere Dritt- und Viertklässler noch nicht erlebt.“

Beilage der Stuttgarter Zeitung / Nord-Rundschau vom Montag, 4.MÄRZ 2019, Text und Foto con Petra Mostbacher-Dix

Artikel zum Herunterladen

 

 

Seit 17.03.2019 in Aktivitäten, Aktuell, Presse

 

 

Hausen (tom/red). Der Förderverein der Maria-Montessori Grundschule Hausen hat kürzlich im Rahmen einer Schulversammlung eine ganz besondere Spende übergeben.

 

Die Spannung in der Aula der Maria-Montessor Grundschule in Hausen war förmlich zu spüren. Alle waren neugierig, was es mit der eigens einberufenen Schulversammlung auf sich hat. Das Geheimnis lüftete der erste Vorsitzende des Fördervereins der Schule, Carsten Schulte. Er überreichte den Schülern im Rahmen der Schulversammlung  nämlich verschiedene Montessori Lernmaterialien, die vom Förderverein gespendet wurden.

 

Unter den Lernmaterialien befanden sich zum Beispiel auch Jahresketten für alle Klassen, anhand denen sich der Jahreszeitenwechsel, wichtige Feiertage im Jahresverlauf und persönliche Festtage der Kinder, handlungsorientiert auffinden und vermerken lassen. „Vor dieser großzügigen Spende des Fördervereins mussten die Lehrkräfte die Jahresketten selber herstellen, sofern sie diese einsetzen wollten. Und das war eine langwierige und zeitraubende Angelegenheit, weil die Holzkugeln in den nuancierten Farbtönen selber und von Hand eingefärbt werden mussten“, kommentierte die Schulleiterin, Dr. Angelika Müller-Zastrau das Geschehen.

 

Toller Sponsorenlauf

Nach der feierlichen Eröffnung der Übergabe mit dem Freundschaftslied, richtete Schulte sehr persönliche Worte an Kinder und Lehrkräfte. Er bedankte sich bei den Schülerinnen und Schülern und allen Lehrkräften für ihr großes Engagement beim dritten Sponsorenlauf der Schule, dessen Reinerlös sowohl dem Förderverein und damit den Schülerinnen und Schülern der Maria Montessori Grundschule Hausen als auch dem Flüchtlingskreis Weilimdorf zu Gute kam.

 

Der Flüchtlingskreis unterstützte mit dieser Spende den Aufbau des Spielplatzes im Flüchtlingsheim in Hausen. Und die Schülerinnen und Schüler der Maria Montessori Grundschule Hausen bekommen dafür ihre heißersehnten Basketballkörbe sowie eben diverse Lernmaterialien.

 

Anschließend berichtete Schulte von den vielen anderen Projekten, die der Förderverein im Laufe eines Schuljahres finanziell unterstützt. So beteiligt er sich zum Beispiel großzügig an der Montessori-Ausbildung von Lehrerinnen der Schule, am Aufbau der neuen Webseite, am Futter und der ärztlichen Betreuung der Schultiere, an Buchprojekten, an Tanz-, Theater- und Musikprojekten der Schule und vielen Aktivitäten mehr.

 

Verein unterstützt Schule

„Es ist dem Förderverein der Maria Montessori Grundschule Hausen ein großes Anliegen, die Schule in ihrer besonderen pä­da­gogischen und künstlerischen Ausrichtung nachhaltig zu unterstützen“, erklärte der Vorsitzende des Fördervereins an die Kinder und deren Betreuerinnen und Betreuer gewandt.

 

Patenschaftskonto

Ganz besonders stolz ist der Förderverein auf das Patenschaftskonto des Fördervereins, auf das Privatleute aus Hausen und Umgebung regelmäßig einzahlen. Mit dem Geld  werden Familien mit geringem Einkommen auf ganz unbürokratische Weise unterstützt. Deshalb musste noch nie ein Schüler von einem geplanten Ausflug oder einem Schullandheimaufenthalt aus finanziellen Gründen fernbleiben.

 

In jüngster Zeit halfen die Gelder des Patenschaftskontos bei der Entrichtung von Beiträgen für das Mittagessen der Malteser von den Kindern, deren Eltern in Zahlungsverzug gerieten. Anstatt in ein teures Mahnverfahren abzurutschen und den Ausschluss der Kinder vom Mittagessen zu riskieren, sprang der Förderverein in vielen Fällen ein, so dass die regelmäßige Ernährung der betroffenen Kinder stets sichergestellt war.

 

Wer den Förderverein gerne unterstützen möchte, kann sich direkt an Carsten Schulte über foerderverein@mmgh.de oder Petra Busch Tel.: 0711/21657130 wenden. Die Schulleiterin, Dr. Angelika Müller-Zastrau bedankte sich im Namen der Kinder und der Lehrkräfte sehr herzlich für die großzügige Unterstützung und die gute Zusammenarbeit.

In und um Weilimdorf, 2. November 2018, Nr. 44
Text Tommasi / Fotos privat.

Die Spannung bei der Schulversammlung war groß.  Carsten Schulte richtete sehr persönliche Worte an die Schulgemeinschaft.

Und hier der Originalartikel zum Runterladen

Seit 19.01.2019 in Aktivitäten, Aktuell, Presse

Am 14. November fand der zweite Fachtag des Modellprojekts „Kulturschule 2020 Baden-Württemberg“ in der Staatsgalerie Stuttgart statt. Thema der Tagung war zum einen die Frage, welche Potenziale das Kunstmuseum als außerschulischer Lernort zur kulturellen Bildung bietet. Zum anderen ging es an diesem Tag darum, nach über drei Projektjahren gemeinsam mit allen Beteiligten Bilanz zur bisherigen Arbeit zu ziehen und die weiteren Schritte zur Projektentwicklung zu planen.

„Seit unserem Start in 2015 sind die 10 Schulen auf einem guten Weg hin zur Kulturschule“, so Frank Henssler, Senior-Referent der Karl Schlecht Stiftung und Projektleiter des Modellprojekts. So hätten alle Schulen damit begonnen, den Schritt von Einzelprojekten hin zu einer eigenen Struktur zu vollziehen und Maßnahmen zur kulturellen Bildung in ihrem Leitbild und Schulprogramm sowie ihrem Schulcurriculum zu verankern.

Das Modellprojekt „Kulturschule 2020 Baden-Württemberg“, eine Kooperation des Kultusministeriums Baden-Württemberg und der Karl Schlecht Stiftung, hat sich zum Ziel gesetzt, dass kulturelle Bildung ein noch selbstverständlicherer und breiterer Bestandteil in Schulen wird. Im Fokus stehen dabei ästhetische Zugangsweisen und sinnlich-kreative Lernmethoden in allen Unterrichtsfächern.

(c) Mario P. Rodrigues, 15.11.2018

 

 

 

In der Maria-Montessori-Grundschule Hausen begleitet ein Schulhund eine Klasse durch den Unterricht. Durch seine bloße Anwesenheit bringt er den Kindern Dinge bei, die mit Worten allein manchmal gar nicht so leicht zu erklären sind. Den Wert von Regeln und Ordnung etwa. Oder emotionale und soziale Fähigkeiten. Und selbst, wenn er nur schlafend im Körbchen liegt, vermittelt der Hund den Schülern etwas: Ein Gefühl von Sicherheit.

„Das erste Lebewesen im Weltall war ein Hund“ steht in einer Sprechblase, die zwischen den Bildern von Merkur und Jupiter an der Wand des Klassenzimmers befestigt ist. Sie steigt aus dem Kopf von Chaplin, einem gutmütigen Vierbeiner mit langen Schlappohren, dessen Bild am Rande des Planetensystems befestigt ist. Doch der ist mit seinem Gedankengang noch längst nicht am Ende. „Ich war es nicht“ steht in der Sprechblase darunter und, was soll man sagen, man glaubt es ihm sofort.

Chaplin, ein immerhin schon 11-jähriger Basset Hound, scheint sich am wohlsten in seinem Körbchen neben der Tafel zu fühlen. Jeden Tag kommt er mit der Lehrerin Nicole Stuhlmüller in die Maria-Montessori-Grundschule Hausen und begleitet sie mit ihren 23 Schülern durch den Alltag. Das Körbchen steuert er gleich morgens um acht an. Einmal richtig eingerollt, schließt er erst einmal genüsslich die Augen, während die Schüler der gemischten Klasse 3 und 4, die ihre Augen erst vor wenigen Stunden mehr oder weniger mühsam geöffnet haben, still in das Klassenzimmer eintrudeln.

Dass ein Hund eine Klasse durch den Unterricht begleitet, ist bislang eher noch eine Ausnahme im Schulbetrieb. Eine Statistik darüber, wie viele Hunde in Stuttgarter Schulen eingesetzt sind, gibt es nicht, meint Matthias Schneider, der Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg. „Doch die Tendenz nimmt zu und dort, wo Hunde mit von der Partie sind, erhalte ich meist sehr positive Rückmeldungen von Seiten der Lehrer und Eltern.“ Ein Hund könne eine motivierende Bereicherung für den Unterricht sein, argumentieren viele Befürworter dieses Konzepts. Er könne die Schulzufriedenheit erhöhen, das Klassenklima verbessern und soziale Lernprozesse fördern. „Es ist nicht nur Schnickschnack, einen Hund mit in die Schule zu bringen,“ meint Schneider. Stattdessen geht er davon aus, dass das Konzept in Zukunft eine stärkere Rolle spielen wird.

Die Kinder sind dem Hund zuliebe ruhig

In der Maria-Montessori-Grundschule Hausen steht jetzt erst einmal Freiarbeit auf dem Stundenplan. Der Satz „Auch Chaplin verkleidet sich für die Schulfeier“ soll in die Zeitformen Präsens, Präteritum und Futur umgewandelt werden. Außerdem beugen sich die Kinder über Buchbeurteilungen und Rechenrahmen. Dass es bei dieser Freiarbeit auffallend still und aufgeräumt zugeht, ist dabei sicherlich nicht allein Chaplin zuzuschreiben, der sich hin und wieder in seinem Körbchen dreht und gewichtig seufzt. Träumt er vom Weltall?

Und doch attestiert ihm die Klassenlehrerin, die ihre Ausbildung für tiergestützte Pädagogik und Therapie am Institut für soziales Lernen mit Tieren in Hannover gemacht hat, eine wichtige Rolle dabei. „Ich muss eigentlich selten für Ruhe sorgen, wenn ich mit ihm komme,“ sagt sie. „Mit ihm an der Seite kann ich besser argumentieren, warum ich kein Rumgehüpfe und Geschrei haben möchte. Die Kinder sind dann nicht mir, sondern dem Hund zuliebe ruhig.“

Ein Prinzip, das sich durch viele Momente des Schulalltags mit Hund zu ziehen scheint. Chaplin verdeutlicht den Kindern ganz ohne Worte und Ermahnungen, warum Ruhe, Ordnung, Rücksichtnahme und die Einhaltung von Regeln wichtig sind. Es geht ihm sonst nicht gut. Und das wollen die Kinder nicht. „Vor Kurzem musste Chaplin im Unterricht spucken, weil er ein Muffinpapier gegessen hat, das nach einer Geburtstagsfeier noch auf dem Boden herumlag“, erzählt ein Mädchen und wirbelt sich aufgeregt ihren Zopf um den Zeigefinger. Da hatten alle Kinder Mitleid mit Chaplin. „Ihnen ist durch den Vorfall bewusst geworden, wie wichtig es ist, dass im Klassenzimmer kein Müll auf dem Boden liegt“, erklärt Frau Stuhlmüller. Jetzt achten sie auf herumliegende Kleinteile und verstauen ihre Frühstücksboxen nach dem Essen immer schnell in ihre Schulranzen.

„Der verantwortungsvolle Umgang mit Chaplin stärkt die Kinder und das wirkt sich auch insozialer und emotionaler Hinsicht aus.“

Nicole Stuhlmüller, Lehrerin an der
Maria-Montessori-Grundschule Hausen

 

Auch andere Regeln haben sie verinnerlicht, weil sie wissen, dass sie Chaplin damit etwas Gutes tun. Wenn er schläft, lassen sie ihn in Ruhe, ist er wach, dürfen ihn höchstens zwei Kinder streicheln. Nach ihm rufen darf nur die Lehrerin und in der Pause dürfen ihn immer nur zwei ausgewählte Kinder an der Leine führen. „Der verantwortungsvolle Umgang mit Chaplin stärkt die Kinder“, meint Stuhlmüller, „und das wirkt sich auch in sozialer und emotionaler Hinsicht aus.“

Ein Schulhund mildert Extreme

Mit dieser Ansicht steht sie nicht alleine da. Die Psychologin Dr. Andrea M. Beetz aus Erlangen hat zu verschiedenen Aspekten der Mensch-Tier-Beziehung geforscht und ist zu dem Schluss gekommen, „dass ein Schulhund die Kinder mehr in den Durchschnitt des Verhaltens bringt und Extreme abmildert: Er schafft es gleichzeitig, das eine Kind hinsichtlich von Motivation und Kommunikationsverhalten zu aktivieren und das andere zu deaktivieren und ihm zu physiologischer Ruhe und Entspannung zu verhelfen.“

So kann ein Schulhund für introvertierte Kinder etwa die Funktion eines „Türöffners“ haben. „Ein Kind, dem es schwerfällt, Freundschaften zu schließen, ist spätestens dann nicht mehr allein, wenn es mit Chaplin auf dem Pausenhof steht“, sagt Stuhlmüller. „Dann kommen die anderen Kinder auf es zu und die Kontakte entstehen ganz unkompliziert.“ Schüchterne Kinder lernen, deutliche Anweisungen zu geben und ihre Körpersprache zu reflektieren, da Chaplin sonst nicht auf ihre Kommandos reagiert. Und Kinder, die sonst eher laut und ungestüm auftreten, lernen im Umgang mit dem Tier, sensibler zu sein und ihre Impulse zu kontrollieren.

Sozialer Stress wird reduziert

Auch der soziale Stress im Klassenzimmer wird reduziert. „Das fängt schon an, wenn Chaplin im Stuhlkreis jedes einzelne Kind begrüßt und reicht bis zu der Situation, wenn er sich zu einem Kind in der Leseecke legt, dem es nicht gut geht.“ Der Hund fährt das Level der Anspannung herunter. Ob es daran liegt, dass er die Schüler nicht bewertet, sondern mit all ihren Stärken und Schwächen akzeptiert? Egal, ob sie gute oder schlechte Noten haben, Markenklamotten tragen oder die vom großen Geschwister, Mauerblümchen oder Klassen­clowns sind?

Ein Hund bewertet nicht

Für Andrea Beetz sind „evolutionär alte Prozesse“ dafür ausschlaggebend: „Ein ruhiger Hund in unserer Umgebung zeigt Sicherheit an: Kein Fressfeind nähert sich, kein Erdbeben droht. Daher können wir uns entspannen. Dazu kommt, dass durch den Körperkontakt beim Streicheln Oxytozin ausgeschüttet wird, ein Bindungshormon, das auch Stress reduziert und Vertrauen schafft.“

Trotzdem mahnt Beetz an, dass die Idee eines Schulhundes nicht bedeutet, „dass jetzt jeder Lehrer einfach seinen Wuffi mitnehmen kann.“ Ein genauer Blick auf das Tier, sowie ein pädagogisches Konzept und eine gründliche Ausbildung gehörten dazu, damit ein Hund „richtig wirken kann“. Auch Matthias Schneider plädiert dafür, schon im Vorfeld alle Beteiligten mit in die Entscheidung einzubeziehen und gegebenenfalls Ängste abzubauen.

In der „Klasse mit dem Hund“, wie sie in der Schule nur noch genannt wird, werden jetzt die Arbeitsblätter ein- und die Vesperboxen ausgepackt. Das Klacken der Verschlüsse reihum dringt auch in das Traumland von Chaplin ein und sendet ihm das wichtige Signal: Fressen! Abrupt öffnet er die Augen, erhebt sich aus seinem Körbchen und trabt von Kind zu Kind, um zu sehen, was die Eltern ihm heute mitgegeben haben. Hier und da fällt eine Kleinigkeit für ihn ab, dann lässt er sich zu den Füßen eines Jungen nieder. Ein paar Streicheleinheiten abholen zwischen quietschbunten Schulranzen. Dass er bei dieser Geschichte im Weltraum keine tragende Rolle gespielt hat, scheint für ihn in diesem Moment völlig klarzugehen.

Von Anne Kraushaar

 

BUCHTIPPS:

Andrea Beetz

Hunde im Schulalltag: Grundlagen und Praxis, München 2012, 24,90 Euro

Julius, Beetz, Kotrschal, Turner, Uwnäs-Moberg

Bindung zu Tieren: Psychologische und neurobiologische Grundlagen tiergestützter Interventionen, Göttingen 2014, 29,95 Euro

 

 

Und hier der Artikel zum Runterladen:  

 

 

  

    

 

 

Seit 12.11.2018 in Aktivitäten, Aktuell, Natur, Presse, Tiere