Presse

 

Am 14. November fand der zweite Fachtag des Modellprojekts „Kulturschule 2020 Baden-Württemberg“ in der Staatsgalerie Stuttgart statt. Thema der Tagung war zum einen die Frage, welche Potenziale das Kunstmuseum als außerschulischer Lernort zur kulturellen Bildung bietet. Zum anderen ging es an diesem Tag darum, nach über drei Projektjahren gemeinsam mit allen Beteiligten Bilanz zur bisherigen Arbeit zu ziehen und die weiteren Schritte zur Projektentwicklung zu planen.

„Seit unserem Start in 2015 sind die 10 Schulen auf einem guten Weg hin zur Kulturschule“, so Frank Henssler, Senior-Referent der Karl Schlecht Stiftung und Projektleiter des Modellprojekts. So hätten alle Schulen damit begonnen, den Schritt von Einzelprojekten hin zu einer eigenen Struktur zu vollziehen und Maßnahmen zur kulturellen Bildung in ihrem Leitbild und Schulprogramm sowie ihrem Schulcurriculum zu verankern.

Das Modellprojekt „Kulturschule 2020 Baden-Württemberg“, eine Kooperation des Kultusministeriums Baden-Württemberg und der Karl Schlecht Stiftung, hat sich zum Ziel gesetzt, dass kulturelle Bildung ein noch selbstverständlicherer und breiterer Bestandteil in Schulen wird. Im Fokus stehen dabei ästhetische Zugangsweisen und sinnlich-kreative Lernmethoden in allen Unterrichtsfächern.

(c) Mario P. Rodrigues, 15.11.2018

 

 

 

In der Maria-Montessori-Grundschule Hausen begleitet ein Schulhund eine Klasse durch den Unterricht. Durch seine bloße Anwesenheit bringt er den Kindern Dinge bei, die mit Worten allein manchmal gar nicht so leicht zu erklären sind. Den Wert von Regeln und Ordnung etwa. Oder emotionale und soziale Fähigkeiten. Und selbst, wenn er nur schlafend im Körbchen liegt, vermittelt der Hund den Schülern etwas: Ein Gefühl von Sicherheit.

„Das erste Lebewesen im Weltall war ein Hund“ steht in einer Sprechblase, die zwischen den Bildern von Merkur und Jupiter an der Wand des Klassenzimmers befestigt ist. Sie steigt aus dem Kopf von Chaplin, einem gutmütigen Vierbeiner mit langen Schlappohren, dessen Bild am Rande des Planetensystems befestigt ist. Doch der ist mit seinem Gedankengang noch längst nicht am Ende. „Ich war es nicht“ steht in der Sprechblase darunter und, was soll man sagen, man glaubt es ihm sofort.

Chaplin, ein immerhin schon 11-jähriger Basset Hound, scheint sich am wohlsten in seinem Körbchen neben der Tafel zu fühlen. Jeden Tag kommt er mit der Lehrerin Nicole Stuhlmüller in die Maria-Montessori-Grundschule Hausen und begleitet sie mit ihren 23 Schülern durch den Alltag. Das Körbchen steuert er gleich morgens um acht an. Einmal richtig eingerollt, schließt er erst einmal genüsslich die Augen, während die Schüler der gemischten Klasse 3 und 4, die ihre Augen erst vor wenigen Stunden mehr oder weniger mühsam geöffnet haben, still in das Klassenzimmer eintrudeln.

Dass ein Hund eine Klasse durch den Unterricht begleitet, ist bislang eher noch eine Ausnahme im Schulbetrieb. Eine Statistik darüber, wie viele Hunde in Stuttgarter Schulen eingesetzt sind, gibt es nicht, meint Matthias Schneider, der Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg. „Doch die Tendenz nimmt zu und dort, wo Hunde mit von der Partie sind, erhalte ich meist sehr positive Rückmeldungen von Seiten der Lehrer und Eltern.“ Ein Hund könne eine motivierende Bereicherung für den Unterricht sein, argumentieren viele Befürworter dieses Konzepts. Er könne die Schulzufriedenheit erhöhen, das Klassenklima verbessern und soziale Lernprozesse fördern. „Es ist nicht nur Schnickschnack, einen Hund mit in die Schule zu bringen,“ meint Schneider. Stattdessen geht er davon aus, dass das Konzept in Zukunft eine stärkere Rolle spielen wird.

Die Kinder sind dem Hund zuliebe ruhig

In der Maria-Montessori-Grundschule Hausen steht jetzt erst einmal Freiarbeit auf dem Stundenplan. Der Satz „Auch Chaplin verkleidet sich für die Schulfeier“ soll in die Zeitformen Präsens, Präteritum und Futur umgewandelt werden. Außerdem beugen sich die Kinder über Buchbeurteilungen und Rechenrahmen. Dass es bei dieser Freiarbeit auffallend still und aufgeräumt zugeht, ist dabei sicherlich nicht allein Chaplin zuzuschreiben, der sich hin und wieder in seinem Körbchen dreht und gewichtig seufzt. Träumt er vom Weltall?

Und doch attestiert ihm die Klassenlehrerin, die ihre Ausbildung für tiergestützte Pädagogik und Therapie am Institut für soziales Lernen mit Tieren in Hannover gemacht hat, eine wichtige Rolle dabei. „Ich muss eigentlich selten für Ruhe sorgen, wenn ich mit ihm komme,“ sagt sie. „Mit ihm an der Seite kann ich besser argumentieren, warum ich kein Rumgehüpfe und Geschrei haben möchte. Die Kinder sind dann nicht mir, sondern dem Hund zuliebe ruhig.“

Ein Prinzip, das sich durch viele Momente des Schulalltags mit Hund zu ziehen scheint. Chaplin verdeutlicht den Kindern ganz ohne Worte und Ermahnungen, warum Ruhe, Ordnung, Rücksichtnahme und die Einhaltung von Regeln wichtig sind. Es geht ihm sonst nicht gut. Und das wollen die Kinder nicht. „Vor Kurzem musste Chaplin im Unterricht spucken, weil er ein Muffinpapier gegessen hat, das nach einer Geburtstagsfeier noch auf dem Boden herumlag“, erzählt ein Mädchen und wirbelt sich aufgeregt ihren Zopf um den Zeigefinger. Da hatten alle Kinder Mitleid mit Chaplin. „Ihnen ist durch den Vorfall bewusst geworden, wie wichtig es ist, dass im Klassenzimmer kein Müll auf dem Boden liegt“, erklärt Frau Stuhlmüller. Jetzt achten sie auf herumliegende Kleinteile und verstauen ihre Frühstücksboxen nach dem Essen immer schnell in ihre Schulranzen.

„Der verantwortungsvolle Umgang mit Chaplin stärkt die Kinder und das wirkt sich auch insozialer und emotionaler Hinsicht aus.“

Nicole Stuhlmüller, Lehrerin an der
Maria-Montessori-Grundschule Hausen

 

Auch andere Regeln haben sie verinnerlicht, weil sie wissen, dass sie Chaplin damit etwas Gutes tun. Wenn er schläft, lassen sie ihn in Ruhe, ist er wach, dürfen ihn höchstens zwei Kinder streicheln. Nach ihm rufen darf nur die Lehrerin und in der Pause dürfen ihn immer nur zwei ausgewählte Kinder an der Leine führen. „Der verantwortungsvolle Umgang mit Chaplin stärkt die Kinder“, meint Stuhlmüller, „und das wirkt sich auch in sozialer und emotionaler Hinsicht aus.“

Ein Schulhund mildert Extreme

Mit dieser Ansicht steht sie nicht alleine da. Die Psychologin Dr. Andrea M. Beetz aus Erlangen hat zu verschiedenen Aspekten der Mensch-Tier-Beziehung geforscht und ist zu dem Schluss gekommen, „dass ein Schulhund die Kinder mehr in den Durchschnitt des Verhaltens bringt und Extreme abmildert: Er schafft es gleichzeitig, das eine Kind hinsichtlich von Motivation und Kommunikationsverhalten zu aktivieren und das andere zu deaktivieren und ihm zu physiologischer Ruhe und Entspannung zu verhelfen.“

So kann ein Schulhund für introvertierte Kinder etwa die Funktion eines „Türöffners“ haben. „Ein Kind, dem es schwerfällt, Freundschaften zu schließen, ist spätestens dann nicht mehr allein, wenn es mit Chaplin auf dem Pausenhof steht“, sagt Stuhlmüller. „Dann kommen die anderen Kinder auf es zu und die Kontakte entstehen ganz unkompliziert.“ Schüchterne Kinder lernen, deutliche Anweisungen zu geben und ihre Körpersprache zu reflektieren, da Chaplin sonst nicht auf ihre Kommandos reagiert. Und Kinder, die sonst eher laut und ungestüm auftreten, lernen im Umgang mit dem Tier, sensibler zu sein und ihre Impulse zu kontrollieren.

Sozialer Stress wird reduziert

Auch der soziale Stress im Klassenzimmer wird reduziert. „Das fängt schon an, wenn Chaplin im Stuhlkreis jedes einzelne Kind begrüßt und reicht bis zu der Situation, wenn er sich zu einem Kind in der Leseecke legt, dem es nicht gut geht.“ Der Hund fährt das Level der Anspannung herunter. Ob es daran liegt, dass er die Schüler nicht bewertet, sondern mit all ihren Stärken und Schwächen akzeptiert? Egal, ob sie gute oder schlechte Noten haben, Markenklamotten tragen oder die vom großen Geschwister, Mauerblümchen oder Klassen­clowns sind?

Ein Hund bewertet nicht

Für Andrea Beetz sind „evolutionär alte Prozesse“ dafür ausschlaggebend: „Ein ruhiger Hund in unserer Umgebung zeigt Sicherheit an: Kein Fressfeind nähert sich, kein Erdbeben droht. Daher können wir uns entspannen. Dazu kommt, dass durch den Körperkontakt beim Streicheln Oxytozin ausgeschüttet wird, ein Bindungshormon, das auch Stress reduziert und Vertrauen schafft.“

Trotzdem mahnt Beetz an, dass die Idee eines Schulhundes nicht bedeutet, „dass jetzt jeder Lehrer einfach seinen Wuffi mitnehmen kann.“ Ein genauer Blick auf das Tier, sowie ein pädagogisches Konzept und eine gründliche Ausbildung gehörten dazu, damit ein Hund „richtig wirken kann“. Auch Matthias Schneider plädiert dafür, schon im Vorfeld alle Beteiligten mit in die Entscheidung einzubeziehen und gegebenenfalls Ängste abzubauen.

In der „Klasse mit dem Hund“, wie sie in der Schule nur noch genannt wird, werden jetzt die Arbeitsblätter ein- und die Vesperboxen ausgepackt. Das Klacken der Verschlüsse reihum dringt auch in das Traumland von Chaplin ein und sendet ihm das wichtige Signal: Fressen! Abrupt öffnet er die Augen, erhebt sich aus seinem Körbchen und trabt von Kind zu Kind, um zu sehen, was die Eltern ihm heute mitgegeben haben. Hier und da fällt eine Kleinigkeit für ihn ab, dann lässt er sich zu den Füßen eines Jungen nieder. Ein paar Streicheleinheiten abholen zwischen quietschbunten Schulranzen. Dass er bei dieser Geschichte im Weltraum keine tragende Rolle gespielt hat, scheint für ihn in diesem Moment völlig klarzugehen.

Von Anne Kraushaar

 

BUCHTIPPS:

Andrea Beetz

Hunde im Schulalltag: Grundlagen und Praxis, München 2012, 24,90 Euro

Julius, Beetz, Kotrschal, Turner, Uwnäs-Moberg

Bindung zu Tieren: Psychologische und neurobiologische Grundlagen tiergestützter Interventionen, Göttingen 2014, 29,95 Euro

 

 

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Seit 12.11.2018 in Aktivitäten, Aktuell, Natur, Presse, Tiere

 

Weilimdorf (tom). An der Maria Montessori Grundschule in Hausen werden seit rund fünf Jahren interreligiöse Feiern begangen. Ziel der Feier ist es, den Kindern die jeweils andere Religion näher zu bringen.

 

„Der Impuls kam von den Eltern und der Lehrerschaft”, erklärt Schulleiterin Angelika Müller-Zastrau. Zunächst seien unter anderem die Feste im Christentum, Judentum und Islam ein Thema gewesen.  Diese zu thematisieren habe sich letztlich als Türöffner erwiesen. In der Folge hätten sich Eltern, die vorher nicht in Erscheinung getreten sind, vermehrt in der Schule engagiert. „Heute ist bei uns eine Muslimin Elternbeiratsvorsitzende”, freut sich die Schulleiterin.

 

Begegnung der Religionen

In der Schule gebe es rund 70 Kinder mit Migrationshintergrund, so Müller-Zastrau weiter.  Seit drei Jahren gebe es an der Schule auch Islamunterricht. Und bei den interreligiösen Feiern, seien Vertreter verschiedener Religionen dabei. Bei der jüngsten Feier etwa wurde die Feier vom evangelischen Schuldekan Uwe Böhm, der Jüdin Nelly Puschkin und Zehra Isikhan-Vieriu, der Lehrerin für islamischen Religionsunterricht an der Schule gestaltet.

 

Bei den interkulturellen Feiern werden  gemeinsam Lieder der verschiedenen Religionen gesungen und Texte gelesen auf Deutsch, Hebräisch und Arabisch. Zudem spielen die Kinder verschiedene Szenen, die immer wieder deutlich machen, dass Menschen verschiedenen Glaubens gemeinsame Wertvorstellungen haben wie Freiheit, Selbstbestimmung, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit oder Fairness.

 

„Engel als Begleiter”

Bei der jüngsten Feier lautete das Thema „Engel als Begleiter”. Grundlage war die Bildergeschichte „Opas Engel”. Engel seien Beschützer und Begleiter fürs Leben, erläutert Böhm Und die Kinder konnten selbst einige Geschichten erzählen, bei denen alles glimpflich verlaufen ist – weil es den sprichwörtlichen „unsichtbaren Beschützer” gab. Es gebe auch Engel ohne Flügel, denen man jeden Tag begegnen könne, so Böhm. Anschließend wurden verschiedene Texte aus den drei Religionen zum Thema Engel gelesen und in allen waren diese Helfer und Beschützer. Fazit der Schüler: „Engel gibt es in allen Religionen”.

 

Zu den Festen gebe es auch im Unterricht begleitende Informationen und Materialien. „Wir glauben, dass wir dadurch Toleranz und Respekt vermitteln”, so Müller-Zastrau. „Das ist gelebte Integration.”

 

Im Religionsunterricht ist der interreligiöse Ansatz ebenfalls ein Thema. Die Kinder besuchen im Unterricht eine katholische und eine evangelische Kirche, eine Synagoge und eine Moschee. Auch das sei gelebte Integration und fördere das Verständnis füreinander, erklärt die Schulleiterin.

 

Solche interreligiöse oder auch multireligiöse Feiern gebe es inzwischen in verschiedenen Schulen, erklärt Böhm. Und sie würden sehr gut ankommen, freut sich der Schuldekan.

 

 

In und um Weilimdorf vom 14.09.2018, Text und Fotos: Uwe Tommasi

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14SeptemberWeils05

 

Seit 13.09.2018 in Aktuell, Presse

 

 

Weilimdorf (tom/red). Im dritten und letzten Jahr der Kooperation der Maria Montessori Grundschule Hausen mit dem Stuttgarter Ballett Jung und dem Jungen Ensemble Stuttgart (JES)  beschäftigten sich die 50 beteiligten Jungen und Mädchen im Alter zwischen sechs und acht Jahren mit dem Thema: „Was ist eigentlich typisch für Jungen und was ist typisch für Mädchen?“

 

Beim diesjährigen Projekt der Maria Montessori Grundschule Hausen mit dem Stuttgarter Ballett Jung und dem Jungen Ensemble Stuttgart (JES) stand das Thema „Was ist eigentlich typisch für Jungen und was ist typisch für Mädchen” auf dem Programm. Zu dieser Thematik haben die Kinder ein Tanz- und Theaterstück entwickelt, das sie gleich zwei Mal im JES-Theater Stuttgart zur Aufführung gebracht haben.

 

Genderproblematik

Der Titel  des Theaterstücks „Mit Laserschwert und Spitzenschuh – und raus bist du“ verweist  auch  schon  direkt  auf  die inhaltliche Genderproblematik und die  darin angestellten Überlegungen, was passiert, wenn die Rollen einmal getauscht werden.

 

Schöpfen konnten die Kinder aus den Erfahrungen, die sie beim Besuch des Handlungsballetts „La fille mal gardée” im Großen Haus und beim Theaterstück „Entweder und” im JES sammeln konnten.

 

Viele Alltagsszenen

In dem von den Schülern entwickelten Theaterstück erinnerten dann viele Szenen an Alltagsszenen in der Schule: Jungen möchten nicht neben Mädchen sitzen, eine Gruppe Kinder verschwört sich gegen eine andere Gruppe, Tränen fließen, Versöhnungen werden gefeiert, neue Freundschaften – auch zwischen Jungen und Mädchen – werden geschlossen,  über die Zukunft wird nachgedacht („Was will ich später einmal werden?“) und dergleichen mehr.

Dass die Ideen der Kinder sprachlich und tänzerisch so treffend zum Ausdruck kamen, lag an der gründlichen Vorbereitung durch die Experten Katharina Helene Kluge (Tanzpädagogin und Leiterin der Tanzvermittlung des Stuttgarter Balletts Jung) und Tobias Metz (Theaterpädagoge und Leiter der theaterpädagogischen Abteilung an der württembergischen Landesbühne Esslingen). Tatkräftige Unterstützung erhielten die beiden Tanz- und Theaterpädagogen dabei von den Klassenlehrerinnen und pädagogischen Fachkräften der beiden beteiligten Klassen (Lena Weinmann und Rolf Haller, Sonja Schultz und Nathalie Khan).

 

Intensive Vorbereitung

Das ganze vergangene Schuljahr über arbeiteten die Pädagoginnen und Pädagogen mit den Kindern für die zwei Aufführungen intensiv und zwar immer am Dienstagvormittag, während der regulären Unterrichtszeit. Dabei war sicherlich der Weg, also die Probezeit an sich, für die Kinder der eigentliche zentrale Lern- und Entwicklungsgewinn.

 

Basierend auf dieser intensiven Vorbereitungs- und Übungszeit, zeigten alle Kinder auf der Bühne große Präsenz und Selbstsicherheit. Viele Impulse aus dem zuvor gesehenen Ballett und dem Schauspiel  bauten die Kinder auch in ihre Darbietung mit ein, so zum Beispiel das Tanzen und Agieren mit bunten Bändern.

 

Stolz waren alle Kinder besonders auch auf die T-Shirts, die eigens für die Theaterproduktion für sie angefertigt wurden. „Wie schon so oft bei ähnlichen Projekten, bewiesen besonders auch die Kinder höchste Professionalität und ungeahnte Begabungen, die sonst im Schul- und Unterrichtsalltag eher unauffällig im Hintergrund blieben”, stellten die beteiligten Pädagoginnen und Pädagogen einstimmig fest. Schön auch, dass sich Kinder asylsuchender Familien so mühelos in das Projekt eingliedern ließen und sowohl mit ihrem Rhythmusgefühl als auch mit ihren neu gewonnenen deutschen Sprachkenntnissen überzeugten.

 

Wichtige Projekte

Umso wichtiger sind Projekte und Produktionen dieser Art, denn sie fördern die Kinder intensiv in vielen verschiedenen Bereichen und stärken sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Das Einbetten künstlerisch-kultureller Projekte in den Unterricht selbst, ist an vielen Schulen noch ein Novum, soll sich aber nach Willen des Kultusministeriums und der Karl-Schlecht-Stiftung bald ändern.

 

Die Rektorin der Maria-Montessori Grundschule in Hausen, Angelika Müller-Zastrau, ist sehr beeindruckt von der mehrjährigen, sehr erfolgreichen, künstlerischen Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Ballett Jung und dem JES. „Die Kinder wurden einfühlsam an Probleme der Zeit herangeführt. Im ersten Jahr thematisierte Sonja Santiago vom Stuttgarter Ballett Jung den Begriff Heimat und was Kinder, besonders auch Kinder Asylsuchender, brauchen, um sich irgendwo auf der Welt heimisch zu fühlen und zeigte das Ergebnis in einer bemerkenswerten Aufführung im Kammertheater. Im zweiten Jahr beschäftigten sich die Kinder mit dem Begriff Nesu’ah (das ist Hausen rückwärts gesprochen und bedeutet auf Hebräisch „die Gereiste“. Aus Nesu’ah wurde nach dem Willen der beteiligten Kinder „NeSCHUH’ah“, die Drachenfrau mit einem ausgeprägten Schuhtick und einer eindrucksvollen Geschichte, die sie auch im JES zur Aufführung brachten. Und auch beim letzten Stück bewiesen die Kinder wieder, dass  sie Problemstellungen in einen neuen Gesamtkontext stellen und auf der Bühne sicher und eindrucksvoll präsentieren können!“

 

Möglich wurde die mehrjährige künstlerische Zusammenarbeit mit Ballett und Theater mit den Aufführungen im Kammertheater und dem JES nur dank der großzügigen Unterstützung der Karl-Schlecht-Stiftung im Rahmen der Kulturschule 2020 und den Geldern aus dem Innova­tionsfonds „Zukunft der Jugend”, merkte die Schulleiterin noch an. „Schön wäre es, wenn solche Projekte eines Tages ganz selbstverständlich zum Schulalltag gehören könnten.“

 

Zirkus kommt als nächstes

Etwas wehmütig sind die Kinder und alle Beteiligten schon, dass die erfolgreiche Kooperation mit dieser Kunstszene nun zunächst einmal beendet ist. „Es muss ja kein Ende für immer sein“, meint Nicole Loesaus, die Leiterin des Stuttgarter Balletts Jung schmunzelnd und deutet damit an, dass sie sich eine Fortsetzung der gelungenen und harmonischen  Zusammenarbeit mit der Maria Montessori Grundschule Hausen in naher oder etwas entfernterer Zukunft  durchaus vorstellen kann. Bis dahin wird es an der Maria Montessori Grundschule Hausen bestimmt nicht langweilig, denn ein  neues Projekt, eine Kooperation mit dem Zirkus Piccolo

In und um Weilimdorf vom 07.09.2018, Text: Uwe Tommasi, Fotos: mmgh

   

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7SeptemberWeils01, 

7SeptemberWeils02

7SeptemberWeils03

 

 

Seit 13.09.2018 in Aktuell, Presse

Weiteres Kunstprojekt an der Maria-Montessori-Grundschule Hausen
Zur Fußball Weltmeisterschaft gibt es ein Schul-Sticker-Album

Hausen (tom).

An der Maria-Montessori-Grundschule Hausen fanden schon zahlreiche Kunstprojekte statt. Beim jüngsten Projekt drehte sich vieles – passend zur Fußball-Weltmeisterschaft – um das runde Leder, aber auch um einen abgeflachten Ikosaeder.
„Das Runde muss ins Eckige”, lautet eine alte Fußball-Weisheit. Doch was, wenn das runde irgendwie auch etwas Eckiges wäre oder zumindest gewesen wäre. Was bliebe dann von dieser Weisheit übrig?
Ganz so philosophisch sind die Schüler der Maria-Montessori-Grundschule in Hausen die Sache nicht angegangen, doch sie haben im Rahmen eines Kunstprojektes gelernt, dass ein Fußball alter Prägung unaufgepumpt ein abgeflachter Ikosaeder ist, der aus genau 32 Fünfecken besteht.
Geleitet haben dieses Kunstprojekt die Künstlerin Susanne Wadle, die schon mehrere Workshops an der Schule durchgeführt hat und der pädagogische Mitarbeiter der Schule Jonescu von Wolff, der selbst auch Künstler ist.

Geschichten über Herrn Lüthi

Von Woff bietet in der Schule einmal pro Woche einen Kreativ-Workshop an, an dem zahlreiche Kinder teilnehmen. Ideengeber in dem Kunstprojekt sind fantasievolle Geschichten über einen gewissen Herrn Lüthi, der in einem Schweizer Bergdorf lebt. Lüthi ist ein Künstler, der gerne Abenteuerromane liest und sich gerne mit abgeflachten Ikosaedern und anderen mathematischen Formen beschäftigt. Lüthi hat auch einen Hosen-Taschen-Haus-Roboter namens Marvin. Herr Lüthi hat die unglaublichs­ten Ideen, die er dann in seinem Atelier umsetzt.
„Den Künstler Urs Lüthi gibt es tatsächlich”, erklärt von Wolff. Von dem Schweizer gibt es beispielsweise ein Foto, auf dem er auf einem scheinbar fliegenden Teppich sitzt. Dieses Bild war die Grundlage für eine der Geschichten, die von Wolff zu Beginn des Workshops einmal erzählt hat. Was die Schüler mit viel Fantasie aus der Geschichte gemacht haben, ist in einer kleinen Ausstellung im Foyer der Schule zu sehen.

Kunstprojekt zum Fußball

Doch zurück zum abgeflachten Ikosaeder. Er ist der beste Freund von Herrn Lüthis Ho­sen-Taschen-Haus-Roboter Mar­­vin. Die beiden haben zusammen natürlich auch eine tolle Geschichte erlebt, bei der ein Fußball eine große Rolle spielt. In den Pfingstferien haben die Teilnehmer des Kunstprojektes dann selbst überdimensionale Fußbälle hergestellt – aus Drahtgeflecht, das mit Papier befüllt und dann mit Zement ummantelt wurde. Anschließend wurden die Bälle bemalt – mit Flaggen verschiedener Länder, aber auch mit anderen Motiven.

Fußballthemen angesprochen

„Wir haben im Rahmen des Projektes natürlich auch viel über Fußball gesprochen”, erzählt von Wolff. Etwa darüber, dass 1991 die erste Fußball-Weltmeisterschaft stattfand – der Damen. Aber auch aktuelle Themen wurden angesprochen, wie die Fehler von Torhüter Karius beim Champions-League Finale und natürlich über die Spieler der Deutschen Nationalmannschaft. Insbesondere Mario Gomez vom VfB Stuttgart sei ein Thema für die Schüler gewesen. „Der VfB ist sehr wichtig für die Schüler. Ich glaube alle hier lieben den Verein.”

Sticker-Album der Schule

Apropos VfB. Den hat von Wolff wegen eines weiteren Projekts rund ums  Thema Fußball angeschrieben. Ideengeber zu diesem Projekt waren die Sticker-Alben, die es zu jeder Fußball-Welt­meis­terschaft gibt. „Wir haben ein Montessori WM-Sammelalbum aufgelegt”, erklärt von Wolff. Stars des Albums sind die Lehrerinnen und Lehrer der Maria-Montessori-Grundschule Hausen – alle mit Bart. Insgesamt 13 Lehrerinnen und Lehrer sind in dem Sammelalbum vertreten. Mit dabei sind darüber hinaus auch die Schulhunde. „Außerdem haben wir vom VfB die Genehmigung bekommen, ein Bild vom Maskottchen des Vereins – dem Fritzle – ins Sticker-Album aufzunehmen”, freut sich von Wolff. Fritzle hat natürlich auch einen Bart bekommen.
„Dieses Schul-Sticker-Album ist glaube ich eine absolute Weltneuheit”, erklärt von Wolff. Er habe zumindest nicht derartiges finden können, auch nicht im WorldWideWeb.  Das Sticker-Album ist pünktlich zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft fertig geworden, so dass die Schüler jetzt ihre ganz persönlichen Stars sammeln können.
Von Wolff hat in Kassel Kunst studiert und eine Ausbildung als Erzieher gemacht. Er ist seit 15 Jahren als  selbständiger Künstler tätig und ist seit März pädagogischer Mitarbeiter an der Maria-Montessori-Grundschule in Hausen. Geschichten mit Herrn Lüthi werde es im wöchentlichen Kunstprojekt weiterhin geben, so von Wolff. „Ich schreibe die Geschichten einfach, weil ich sie gerne schreibe.“  Und der vor Ideen förmlich sprühende Künstler und Pädagoge hat auch schon eine Idee, was am Ende des Kunstprojektes passieren soll. „Ziel ist es, am Ende ein eigenes Buch zu machen” – mit den Geschichten von Herrn Lüthi und den Bildern der Schülerinnen und Schüler.

In und um Weilimdorf, Text / Fotos: Tommasi; 15.06.2018

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Seit 20.06.2018 in Aktivitäten, Aktuell, Kunst, Presse